Wie man ohne Drogen in Ekstase versetzt wird.

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#Persönliches
Ich sitze auf dem Teppichboden in meiner Wohnung. Mein Gesicht kribbelt, mein Kopf fühlt sich weich an und ich sehe alles etwas unscharf. Es ist 17:18 Uhr und ich glaub, ich bin auf einem Trip. Ohne Drogen. Vollkommen nüchtern. Und trotzdem trunken in meiner eigenen Welt.

Es mag verrückt klingen und ich verstehe es selbst nicht ganz: aber in letzter Zeit bin ich regelmäßig in einem ekstatischen, traumhaften oder flow-ähnlichen Zustand.

Meine Augen fangen an zu zucken. Mein Kopf und mein Körper fühlen sich an als wäre ich grade aus einer Achterbahn gestiegen. Ich schau mich in meinem Zimmer um. Mein Blick ist verträumt. Ob sich so ein Wachkoma anfühlt?

Es ist ein unglaubliches Gefühl, denn durch meinen Kopf jagen so viele Gedanken und Ideen gleichzeitig, dass ich in der Zwischenzeit zahlreiche Whiteboards in meinem Zimmer verteilt hab, um die Gedanken festzuhalten. Klingt verrückt? Das denk ich auch – aber ohne hatte ich das Gefühl meine Gedanken würden mich davon spülen und in eine andere Welt entführen. Erst seitdem ich die Gedanken aufschreibe und versuche sie zu sortieren, kann ich mit diesem Zustand umgehen.

Aber es sind zu viele Gedanken und Emotionen. So viele, dass es mir schwer fällt diesen Zustand zu beschreiben. So viele, dass mich ein warmes Gefühl durchflutet und ich eigentlich versuchen sollte, einfach dieses Gefühl zu genießen. Doch das ist schwierig, denn die Emotionen kommen dadurch auf, dass ich in Gedanken versunken bin. Wenn ich die Gedanken abstellen würde, um das Gefühl zu genießen, würde das Gefühl verschwinden.

Deshalb klammere ich mich an einzelnen Gedanken fest. Versuche sie an mich zu reißen und sie mir einzuverleiben. Genau in solchen Momenten hab ich das Gefühl jede Sekunde ohnmächtig zu werden und meinen Körper zu verlassen, weil der Platz für meinen Geist nicht mehr ausreicht.

Und in solchen Momenten denke ich, dass ich verrückt werde und die Kontrolle über meinen Körper und meinen Geist verliere. Aber im nächsten Moment wird mir bewusst, dass das nicht passieren wird. Es ist ein Spiel. Ein Prozess. Ein Traum aus dem ich jederzeit aufwachen kann.

Aber es ist auch ein komisches Gefühl und es ist nicht damit vergleichbar, wenn man zu viel getrunken hat und wirklich irgendwann die Kontrolle über sich verliert. Und doch sind die Gefühle in diesem Zustand mit Trunkenheit vergleichbar.

Dieser Zustand ereilt mich momentan häufig. Wenn ich draußen bin, wenn ich daheim bin, wenn ich mit Freunden unterwegs bin.

Warum, wieso, weshalb?

Aktuell bin ich sehr fokussiert auf meine Arbeit als Künstler und auf die Kunst. Deshalb beschäftige ich mich sehr viel mit mir und mit meinen Gedanken. Ich bin fast ununterbrochen am Grübeln. Ich lebe im Kunstprozess und fahre deshalb so häufig Achterbahn. Ich komme von einem Gedanken zum nächsten und dieser Zustand, dieses Gefühl, ist der Grund, warum für mich der Kunstprozess viel wichtiger ist als das Endergebnis (das Kunstwerk).

Ich kann und will die Fahrt nicht stoppen, denn ich hab das Gefühl, es wird von Mal zu Mal spannender. Die Achterbahn verläuft jedes Mal wieder neu und jeder Gedanke führt zu einer neuen Idee und schaltet ein neues Level, eine weitere Strecke frei. Dabei fahre ich aber nicht nur auf einer Strecke, sondern ich fahre in mehreren Achterbahnen gleichzeitig und mir fällt zu den unterschiedlichsten Bereichen und Themen immer wieder etwas Neues ein.

Das interessante ist, dass ich – zumindest glaube ich das – gelernt habe, wie ich die Achterbahn betreten und wie ich sie verlassen kann. Ich will sie aber gar nicht verlassen, denn ich bin süchtig nach dem Fahrspaß und das Vergnügen und die Freude überwiegen, selbst wenn es brutal ist und mir zwischendurch übel wird. Ich bin viel zu sehr daran interessiert, was mich auf der nächsten Stufe erwartet, ob ich irgendwann am Ende angekommen bin oder ob ich merke, dass ich genug gefahren bin.

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