Wie man alleine weniger alleine ist

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Blog Reisen
#Norwegen, #Skandinavien, #Wandern
Ich laufe alleine an einem Gleisbett entlang. Darauf steht eine einsame Eisenbahn, daneben ein Bahnhofsgebäude. Im Bahnhof brennt in einem Zimmer Licht und auf dem Parkplatz davor steht ein Auto.

Ich höre durch die Kapuze, wie mir der Wind um die Ohren pfeift und spüre immer noch vereinzelte Regentropfen auf meinem Gesicht. Meine Schuhe ziehen das Geräusch von Schritten auf feuchtem Kiesboden mit sich. In meiner linken Hand halte ich ein Geweih, das ich während meiner Wanderung gefunden hab und das so langsam abtrocknet.

Bevor ich das Gleis überquert hab, war ich im Saltfjell-Svartisen-Nationalpark, der auch vom Polarkreis passiert wird und Norwegens größter Nationalpark ist; ich hab allerdings nur einen ganz, ganz kleinen Teil davon gesehen.

Was ich gesehen hab, sieht im Foto unspektakulär aus. Keine gigantischen Fjorde, Wasserfälle oder malerische Landstraßen. Stattdessen von einem Gletscher abgerundete Felsen, die einen weiten, hügeligen Landstrich wie Wellen durchdringen und an dessen Horizont sich hohe Berge wie ein Tsunami aufbauen.

In dieser Kulisse stand ich. Allein. Als es anfing zu regnen, hätte man als Zuschauer denken können, dass ich in der Einsamkeit ertrinke, denn selbst der Wanderweg, der mich an die Hand genommen hat, hatte mich zeitweise verlassen.

Zusammen ist man weniger allein. Aber nur allein, ist man alleine. Mit sich. Mit seinen Gedanken. Mit seinen Gefühlen. Und plötzlich ist man gar nicht mehr alleine. Man läuft mit dem Wind chancenlos um die Wette. Man schaut sich jeden Baum, jeden Fels und jeden Ast so genau an, dass man zwar die Spur verliert, aber anderes findet; das Geweih ist in dieser Geschichte übrigens nicht nur eine Metapher.

Wenn man sich die
Hörner abstößt

Manche Menschen reisen, um sich die Hörner abzustoßen, um einen Schlussstrich zu ziehen und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Das kann man am besten allein. Denn man ertrinkt nicht in der Weite der Einsamkeit, sondern holt immer kurz Luft und taucht dann wieder ab, um zu schauen, wie weit oder wie tief man kommt. Und um zu sehen, was sich unter der Oberfläche befindet.

Die Hörner will ich mir zwar nicht mehr abstoßen, sondern lass sie lieber wachsen, aber zwischendurch alleine abzutauchen, um zu schauen, wie weit man kommt, tu ich trotzdem gern.

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