Das 24 Hour Project. Eine bereichernde Herausforderung

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Blog Kunst
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– 24 Hour Project

 

Am 7. April 2018 fand die 7. Auflage des 24 Hour Project statt. Ziel ist es einen Tag lang jede Stunde ein Foto auf Instagram zu posten und so das Leben in der eigenen Stadt zu dokumentieren. In diesem Jahr haben sich 4280 Teilnehmer aus 850 Städten und 104 Ländern auf 24hourproject.org registriert (die Teilnahme ist kostenlos und nicht verpflichtend).

Wer war dabei?

Man findet 44 Teilnehmer, die als Standort Deutschland oder eine deutsche Stadt angegeben haben. Unter den 44 Teilnehmern hab ich zwei Accounts gefunden (@beton_t und @sebahermann), die jede Stunde ein Bild gepostet haben.

 

Auf den anderen Profilen ist entweder nichts zu finden oder es wurde, wie beispielsweise bei @anragram, nicht über 24 Stunden fotografiert.

Ich kann verstehen, dass man sich bei dem Projekt angemeldet hat und aus welchen Gründen auch immer nicht daran teilgenommen hat oder nicht über die gesamte Zeit mitgemacht hat, denn es war eine Herausforderung mehr als 24 Stunden wach zu bleiben und 24 Stunden stündlich ein Bild zu posten.

Das Projekt war für mich vergleichbar mit einem Marathon.

Ich hab vor Jahren zwei Mal am Marathon in Frankfurt teilgenommen. Der Marathon war mein Trainingsziel, um mich dafür zu motivieren regelmäßig joggen zu gehen. Außerdem hat mich auch die körperliche Grenzerfahrung gereizt. Ich wollte wissen, wie Körper und Geist die Belastung verkraften.

Wenn man für einen Marathon trainiert, kann man sich online Trainingspläne besorgen. Es gibt auf verschiedenen Seiten Trainingspläne, die genau vorgeben mit welcher Intensität man trainieren muss, um eine bestimmte Zielzeit zu erreichen. Für den Marathon kann man sich ein Armband mit den Zwischenzeiten besorgen, damit man weiß in welchem Tempo man laufen muss, um die angestrebte Zielzeit zu erreichen.

Beim 24 Hour Project sah meine Vorbereitung natürlich etwas anders aus.

Ich hatte das Glück, dass ich mit Tom (@acoffeesnob) im Vorfeld des Projekts sprechen konnte. Tom hat 2017 am 24 Hour Project teilgenommen und über ihn bin ich auf das Projekt aufmerksam geworden.

So lief es
bei mir…

 

In diesem Jahr konnte er zwar leider kurzfristig nicht teilnehmen, hat mich aber im Vorfeld darauf vorbereitet, was ich beachten sollte. Durch ihn war ich beispielsweise darauf vorbereitet, dass weniger das Fotografieren, sondern vor allem das Zeitmanagement im Vorfeld geplant werden sollte. Durch Instameets und das alltägliche Fotografieren ist man bereits ausreichend vorbereitet in unterschiedlichsten Situation ein passendes Motiv zu finden. Aber in einer Großstadt darf man die Wegstrecken nicht unterschätzen und es hilft, wenn man nach 20 Stunden fotografieren bereits festgelegt hat, an welchen Ort man geht und was man fotografieren möchte.

Ich hatte mir überlegt in der Düsseldorfer Altstadt zu starten und von dort bis nach Benrath zu fahren, um am Hauptbahnhof, in Oberbilk, Reisholz oder Holthausen in den Nachtstunden Fotos zu machen. Dann wollte ich zurück zum Sonnenaufgang an den Rhein. Zum Frühstück weiter zu Oma Erika, dann ins Museum, wieder an den Rhein und weiter zum Medienhafen. Dann wollte ich zu einem E-Sports-Turnier und weiter nach Köln zur Finissage von Johanna Reich. In Köln war außerdem geplant, dass ich mich mit Tom treffe und wir ein paar Stunden gemeinsam durch die Stadt ziehen. Das letzte Foto wollte ich wieder in Düsseldorf machen.

Diesen Plan hab ich mehr oder weniger genau so umgesetzt.

In Köln wurde ich tatkräftig von Tom und Michaela (@lailie) unterstützt, die mich nicht nur begleitet haben, sondern mich zu Locations gebracht haben, wo man gut Fotos machen konnte. Außerdem war es auch ein schönes Gefühl zu wissen, dass zum gleichen Zeitpunkt Menschen auf der ganzen Welt für 24 Stunden das Leben in deren Stadt dokumentieren.

Interview mit Kevin Steinemann

Der Reiz des Projekts liegt aber nicht nur in der Dokumentation der Stadt, sowie der Herausforderung 24 Stunden Fotos zu machen, sondern das Besondere sind auch die Begegnungen und Erlebnisse. Meine persönlichen Erfahrungen erfahrt ihr in meiner nächsten Podcast-Folge. Jetzt folgen die Erfahrungen von Kevin Steinemann (@beton_t), der in Heidelberg am Projekt teilgenommen hat.

 

War das 24 Hour Project für dich eine Herausforderung?

Kevin Steinemann: »Ja, klar und wer etwas anderes behauptet lügt! Die größte Herausforderung war das ständige Laufen. Ich hatte gegen 22.00Uhr 46.000 Schritte auf meinem Tracker. Das entspricht ungefähr 30km. Und auch den Schlafmangel hab ich irgendwann gemerkt.«

 

Warum hast du mitgemacht?

Kevin Steinemann: »Die Idee in „seiner“ eigenen Stadt 24 Stunden am Stück unterwegs zu sein und die Menschen, die in Heidelberg leben, zu dokumentieren, hat mich begeistert. Durch das Projekt personifiziert man die eigene Stadt. Sie ist „jemand“. Es hat mich gereizt ein persönliches Abbild „meiner“ Stadt, so wie ich sie sehe, zu erstellen. Natürlich könnte man das jeden Tag tun, aber der Projektcharakter sowie der Hintergrund der Aktion ist zusätzliche Motivation. Man fühlt sich als Teil einer Gruppe, die genau dieselbe Leidenschaft teilt. Alleine wäre ich wohl auch nicht auf die Idee gekommen 24 Stunden auf den Beinen zu sein und durch die Stadt zu „latschen“.«

 

Hast du dir ein Ziel oder eine Aufgabe gestellt? Hast du dich auf Frauen fokussiert?

Anmerkung: Als diesjährige Sonderaufgabe des 24 Hour Project sollten Frauen auf der ganzen Welt abgebildet werden, um Frauen und ihre Rechte zu stärken.

Kevin Steinemann: »Ich habe mir bewusst nur ein Ziel gesetzt: 24 Stunden durchhalten und Bilder in schwarz/weiß zu machen. Ich hab nicht in jedem Bild Frauen fotografiert, ich habe aber versucht, mich besonders auf Frauen zu konzentrieren. Deshalb freut mich vor allem das „Fight AFD -Graffiti“ Bild.«

»Im Bild sieht man direkt neben dem Schriftzug eine Gruppe Frauen mit Kopftuch, die über das Pantomime-Spiel eines Mannes lachen. Das Bild drückt für mich die Haltung „meiner“ Stadt zu Themen wie Integration, Zusammenleben verschiedener Kulturen und Ablehnung von rechtem Gedankengut perfekt aus!«

 

Was war das spannendste Erlebnis?

Kevin Steinemann: »Gegen 01.00 Uhr morgens haben mich drei junge Heidelberger angesprochen. Sie hatten mich beim Fotografieren gesehen und gefragt, warum ich das mache. Nachdem ich es ihnen erklärt hab, haben sie mich in einen der ältesten (Jazz-)Clubs Heidelbergs eingeladen. Mit Kamera kommt man dort normalerweise auf keinen Fall rein. Da die Drei aber den Besitzer gut kannten, konnte ich im Gewölbekeller ein paar gute Fotos machen.«

Kevin Steinemann: »Um 3.00 Uhr musste ich außerdem der Polizei erklären, warum ich fotografierend durch die Stadt laufe. Ich weiß nicht genau warum sie mich angesprochen haben, aber vielleicht dachten sie, dass ich irgendwelche Häuser für den nächsten Raub ausspioniere.«

 

Womit hast du gerechnet und was hat dich überrascht?

Kevin Steinemann: »Ich hab eigentlich damit gerechnet, dass ich jede Stunde wieder in Hektik gerate, weil ich für mich noch kein ausreichend gutes Bild gemacht hab. Deshalb hat es mich überrascht, dass es an diesem Tag und in der Nacht so gut lief und ich jede Stunde aus mehreren Bildern auswählen konnte.

Außerdem haben mich die tollen Reaktionen der Menschen, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin, überrascht. Sowohl im Bezug auf das Projekt, als auch Street-Fotografie im allgemeinen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und auch das ein oder andere Portrait gemacht.

Überraschend wurde ich um 4.30 Uhr von drei Mädels auf einen Kaffee und eine Brezel eingeladen haben.«

 

Wie waren die Reaktionen auf deine Bilder vor Ort und wie waren sie online?

Kevin Steinemann: »In beiden Fällen positiv. Darüber hab ich mich besonders gefreut, denn wer in Deutschland auf der Straße fotografiert, hat sicher auch schon mal etwas verbal einstecken müssen. Aber während des gesamten Projekts lief es einfach super!

Ich hab mich auch darüber gefreut, dass nicht nur der Bildlook positiv kommentiert wurde, sondern dass auch meine Botschaft, wie beispielsweise bei dem Bild mit dem „Fight AFD“-Graffiti, erkannt wurde und sich damit identifizieren konnte.«

 

Hat dir das Projekt persönlich etwas gebracht? 

Kevin Steinemann: »Ja, Spaß! Außerdem tolle, neue Bekanntschaften und die Bestärkung, welche Art der Fotografie mir am meisten Spaß macht.« 

 

Vielen Dank an Kevin Steinemann für das Interview.

 

Wer Lust hat, sich im kommenden Jahr der Herausforderung zu stellen, sollte sich auf jeden Fall gut auf den Tag vorbereiten und ihn dann vor allem genießen.

Mehr zu meinen Erlebnissen in der nächsten Podcast-Folge. Ich hab an dem Tag nämlich nicht nur für Instagram fotografiert, sondern auch gefilmt, sowie Aufnahmen für meinen Podcast gemacht. Außerdem hatte ich zwei analoge Kameras im Handgepäck (ein Farbfilm und ein schwarz-weiß Film) – der Farbfilm ist entwickelt und die Fotos werde ich bei Instagram mit meinen Erlebnissen zum jeweiligen Bild veröffentlichen…

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